Ich bin’s, der Nutzer

June 15, 2011 on 9:55 pm by Thomas | In Stylewalker | 36 Comments

Das ZDF hat eine Doku gemacht, in der ich “der Nutzer” bin. “Wir machen uns nackt im Internet” ist die These der Sendung in der Reihe “Zoom”. Ein Team hat sich eine Woche mit mir im Internet beschäftigt und ist mir heimlich durch Berlin gefolgt, hat dann eine Menge Zeug ausgedruckt, alles an die Wand gehängt und dann vom “Medienexperten” Hendrik Speck analysieren lassen. Was lernen wir daraus? Nicht viel.

Leider weiß ich nicht was der Beitrag uns sagen will. Dass wir alle Angst haben sollen vor den bösen Datensammlern, dem Staat und Stalkern? Dass alle Druck verspüren sollen, mitzumachen im Social Web, weil das erwartet wird, obwohl es doch gleichzeitig so gefährlich ist? Dass Facebook, Google und der Staat morgen in meinem Schlafzimmer stehen? Ehrlich, die Einzigen, die mich je gestalkt haben, sind das ZDF.

Was nicht klar wird, ist meine Haltung: Wir haben die Wahl und natürlich muss man damit umgehen können. Ich bin mir sehr bewusst, was ich wo poste und welche Information ich mit wem teile. Facebook zum Beispiel erlaubt einem sehr granulare Einstellungen, wer was von einem sehen darf. Zwar habe ich mein Profil der Redakteurin Sabrina Hermsen frei gegeben, Hendrik Speck aber nicht. Dass Sabrina meine Daten mit ihm teilt, ist vielleicht Teil des Experiments, aber keinesfalls von mir erlaubt worden. Und da trifft wieder der Spruch: Die größte Bedrohung für deine Privatsphäre sind deine Freunde. Waren sie aber schon immer.

Wenn ich bei Foursquare sage, wo ich bin, hoffe ich auf Begegnungen mit denen, die mir dort folgen. Wenn ich auf Twitter mit jemandem diskutiere, hoffe ich, dass alle, die dort zuhören, etwas von der Unterhaltung haben. Wenn ich erfahre, dass ein Freund auch gerade in Kolumbien ist und ich den dann nach Jahren treffen kann: Finde ich das fantastisch. Diese ganze Öffentlichkeit um meine Aktivitäten im Netz haben mir schon so viel Ideen, Feedback, spontane Treffen, Verbindungen gebracht, dass es absolut ABSURD ist, Angst zu haben.

Schade um die Zeit im ZDF, die hätte man besser verwenden können, um den Zuschauern zu zeigen, was sie konkret tun können, als Gruselszenen mit Verfolgungen in der U-Bahn zu drehen. Schade auch, dass ich mitgemacht habe, das Gefühl hinterher war kein besonders Gutes. Nicht die Kontrolle darüber zu haben, wie man in der Öffentlichkeit dargestellt wird, fühlt sich scheiße an. Und darum sollte es doch gehen wenn einem Privatsphäre am Herzen liegt, oder nicht?

Der Beitrag ist inzwischen unter den meist gesehenen in der ZDF Mediathek und der Blogspost hier hat bisher mehrere tausend Leser. Ich bin froh, mit meinem Blog eine Plattform zu haben, auf der ich meine Perspektive auf die Geschichte darstellen kann. Ich bin auch schwer angetan von der Qualität der Kommentare. Und so hat diese Geschichte doch zumindest eines ausgelöst: Eine lebhafte Diskussion über die eigene Verantwortung für die eigene Privatsphäre und die seiner Freunde.

Die Tweets zur Sendung.
Beitrag von Caschy: “Angst wird geschürt”
Beitrag von Christian, der meinen Satz mit den Freunden zitiert.

(Disclaimer: Für meine Zeit bei den Dreharbeiten habe ich vom ZDF 500 EUR erhalten)

36 Comments »

RSS feed for comments on this post. TrackBack URI

  1. Guten Tag!

    Besten Dank für diesen Artikel – ich habe Sie nämlich für einen Deppen gehalten oder jemanden, der sich für einen Kunden für nichts zu schade ist.

    Besten Dank auch für den Disclaimer: Mein Vorschlag – gegen Sie das Geld zurück und verlangen Sie vom ZDF, dass Sie aus dem Film herausgeschnitten werden.

    Ich würde mich an Ihrer Stelle in Grund und Boden schämen für diese Art der Darstellung.

    Beste Grüße
    Hardy Prothmann

    Dokumentation der Kommentare zum Film hier:
    http://www.facebook.com/pages/Geprothmannt/182239598481504

    Comment by Hardy Prothmann — 15/6/2011 #

  2. Hallo Herr Prothmann, ist schon ok, hoffe, dass mich nicht allzuviele Menschen für einen Idioten halten. Immerhin habe ich ja hier in meinem Blog die Möglichkeit meine eigene Sicht auf die Dinge darzustellen.

    Comment by Thomas — 16/6/2011 #

  3. Ich halte dich eigentlich auch nicht für einen Idioten. Aber wenn du die 500 Euro zurückgeben solltest, würd ich da schon eher hin tendieren ;)

    Allerdings – wie bei Facebook geschrieben – glaube ich schon, dass das ZDF mal wieder nur diese “kritische” Seite betrachten möchte, weil wir “ja alle” irgendwie gar nicht wissen, was wir alles preisgeben. Böses Internet usw. – ideal für die ZDF-Zielgruppe 50+.

    Comment by Sebastian — 16/6/2011 #

  4. Alles hat 2 Seiten, schade das man immer nur die negative Seite anderen zeigt.

    Comment by happy-buddha — 16/6/2011 #

  5. Huh.

    Ich bin beeindruckt, wie kurzsichtig Du das siehst. Und die meisten Kommentatoren auf Twitter auch.

    Ohne klar zu sehen, was ich für mein (ebenfalls sehr offenes) Social Media Kommunikatoinsverhalten daraus folgen lassen werde, einige wichtige Dinge, die in dem Bericht gesagt wurden, die mir zwar nicht neu sind, aber da nochmal hervorgehoben wurden und mich durchaus nochmal zum Nachdenken bringen:

    * alles, was Du im Netz von Dir gibst, kann – und wird – irgendwann gegen Dich verwendet werden!
    Du machst irgendeine nicht harmlose Sportart?
    Wenn Du mal eine Berufsunfähigkeits- oder Krankenversicherung haben willst, wird die Versicherung das entsprechend bewerten! Ein Kollege hat mal davon berichtet, dass er in so einer Situation tatsächlich direkt auf irgendeinen Eintrag, den er mal in einem Forum gemacht hat, angesprochen wurde. Die Versicherung konnte er vergessen.

    * Facebook darf ALLES was Du Ihnen sagst BELIEBIG verwenden laut Ihren AGB’s! Du glaubst wirklich, Deine privacy Einstellungen sind denen was wert?
    Ich denke, man muss davon ausgehen, dass alles, was je in Facebook über einen stand(Nachrichten, Fotos, Kommentare, …) egal ob von Dir oder jemand anderem, irgendwann mal irgendwo im Netz stehen kann. Egal mit welchen Privacy Einstellungen.
    Natürlich kannst Du Sie verklagen, wenn sie etwas leaken, von dem Du nicht willst, dass es draußen sichtbar ist, weil diese AGB’s in Deutschland nicht gelten, und Du als Verbraucher wegen der undurchschaubaren AGB darauf vertrauen können musst, dass “privat” markierte Dinge, nur denen sichtbar sind, die Du dafür bestimmt hast.
    Na und? Wenn es erstmal raus ist, ist es raus.
    Facebook könnte auch ohne die Information an sich “rauszugeben” etwas gegen Dich tun. Nämlich auch anhand der Informationen, die es über dich hat, Risikobewertungen für Versicherungen machen.
    Fakt ist, dass in diesen Systemen das, was wir als Nachrichten- und Briefgeheimnis kennen, nichts wert ist.

    * Du selbst bist vielleicht medienaffin und kannst Dich beherrschen, und privates eben gar nicht erst dahin posten. Aber nur wenn es ALLEN Deinen Kontakten so klar ist, dass man da nichts hinschreiben sollte, was man nicht auch in Anwesenheit eines beliebigen Menschen besprechen würde – im Bus, beim Treffen mit Freunden, Arbeitskollegen oder Kunden und und und – funktioniert das und es kann kein Schaden entstehen.

    * Die Sache mit den Apps. Also ich hatte auch schon vorher mal den Gedanken, dass man eigentlich fast gar keine Fremdapps installieren darf. Ich denke nochmal drüber nach.

    Mehr fällt mir grad nicht ein.

    Diesen Bericht als uninformierte übertriebene Panikmache hinzustellen ist mir einfach zu flach.
    Keinesfals kann es schaden, einer breiten Öffentlichkeit nochmal diese Dinge vor Augen zu führen.

    In dem Bericht wird auch keine Panik geschührt und das alles verteufelt, sondern die Situation und die Fakten dargestellt. Es wird nicht dazu geraten, dass alle Ihre Facebook Accounts löschen sollen, aber es gibt zu Bedenken, dass man nichts falsch macht, wenn man vor jedem Post und Upload schon noch ein zweites Mal überlegt.

    Die meisten Reaktionen – von Dir und anderen auf Twitter – finde ich einfach nhur arrogant. Ihr seid so schlau und wisst, was Ihr tut, und das ZDF ist ja so unglaublich dumm.

    Wirklich?

    Comment by DingsBums — 16/6/2011 #

  6. [...] Das passte nur leider so gar nicht in das Konzept der Sendung und wurde auch nicht weiter thematisiert. Es verwundert wenig, dass der vom ZDF “gestalkte” sich über die Sendung prompt öffentlich in seinem Blog enttäuscht zeigte. [...]

    Pingback by medien–gerecht — 16/6/2011 #

  7. [...] eingesetzt. Das konnte ich in Zeiten von Schuljahresbericht und Telefonbuch aber auch schon. In seinem Blog teilt Praus denn auch seine Ratlosigkeit, was der Film uns sagen [...]

    Pingback by Das ZDF enthüllt: Pinnwände werden vielleicht gelesen. — 16/6/2011 #

  8. Was ich schade fand ist, dass die Chance verpasst wurde, den Zuschauern wirklich etwas beizubringen. So wird man als wenig medienaffiner Mensch mit dem Gefühl der Überforderung entlassen.

    Vielleicht sind die Reaktionen auf Twitter arrogant, aber da sprechen wir auch wirklich mit einer meist sehr informierten Gruppe. Viele Praktiken einfach völlig eingeübt, so würde ich nicht auf die Idee kommen, von einer Krankheit zu schreiben und ich würde ich auch keine Bilder ohne die Erlaubnis derjenigen die drauf sind veröffentlichen. Wie wäre es, eine Sendung zu machen, die solche Verhaltensweisen konkretisiert?

    Ich will auch gar nicht arrogant wirken, sondern konstruktiv, ich versuche jedenfalls, meinen Freunden immer viel Wissen über Privatsphäreeinstellungen und Verhalten mitzugeben.

    Comment by Thomas — 16/6/2011 #

  9. Ich habe den Bericht heute früh gesehen – und mit war er viel zu wenig ausgewogen.

    Schön, dass am Ende ein Beamter noch einmal sagen durfte, wie rechtsfrei das Netz doch ist … unkommentiert.

    Comment by Franz — 16/6/2011 #

  10. Der Hardy Prothmann braucht wohl Werbung für seine unwichtigen pseudojournalistischen Ergüsse auf “Geprothmannt” bzw. seinen Bratwurtsjournalismus und nach solch beleidigenden Kommentaren, wie:
    “Thomas Praus muss ein ziemlicher Depp sein: “Wir habt ihr meine Adresse gefunden?” Jetzt erkennt er: “Die größte Gefahr sind meine Freunde.” #zoom”,
    hoffe ich, dass das Netz und seine Bewohner es ihm danken werden.
    Andere kommentieren ja auch schon seine vergriffene Art http://prcdv.typepad.com/cdv/2010/02/hardy-prothmann-sollte-dringend-besser-werden.html

    Achja nur mal so am Rande: als langjähriger Sicherheitsexperte, habe ich selbst noch keinen Sicherheitsexperten, Informatiker, Datenschützer, Prof. der Informationswissenschaften gesehen – mich eingeschlossen, der gewappnet ist für die Digitalisierung der Welt.

    Comment by Chris — 16/6/2011 #

  11. Das war doch gar keine schlechte Sendung, wenn auch etwas gimmicky aufgezogen.

    Der Teil mit dir ist doch grad für weniger vernetzte lehrreich: Denke, was du postest. So einfach es auch klingen mag.

    Und das «Experiment» mit der App auch, da man ja die Möglichkeit hat, diese Daten für sich zu behalten.

    Und der Herr vom Standesamt, der war total unnötig.

    Mich hat auch noch keiner gestalked. Aber das er das problemlos könnte, ist schon beunruhigend. Das muss ja jetzt nicht Panik machen, aber das sind schon Themen, die noch nicht wirklich gelöst sind. Im Moment müssen wir Sozialen Netzwerken einfach vertrauen, momentan habe ich damit keine Probleme.

    Comment by Michaël — 16/6/2011 #

  12. Danke für die schöne Diskussion. Was an der Sendung wirklich nicht gut war, ist die tendenzielle Art, an die Dinge heran zu gehen. Wenn ich vor der Wand stehe und beeindruckt bin (weil ich wirklich finde, dass sie cool aussieht) und dann wird interpretiert, dass ich damit nur meine Nervosität überspielen will um die Grundaussage der Gefahr zu bestätigen, dann ist das nicht gut. Und wenn man auf der Straße private Gespräche mithören will und das als Symbol für Onlinekommunikation benutzt, dann ist das ziemlich platt und unpassend. Und dann die Nackten auf dem Alex..

    Comment by Thomas — 16/6/2011 #

  13. Warum verhält man sich im Internet nicht so vorsichtig wie im “wahren Leben”?
    Ich schreibe und versende doch auch keine Postkarten, sondern Briefe (durch den Umschlag wird der Inhalt geschützt). Warum also ALLES posten (E-Mailen, Bloggen, etc.?). E-Mails kann man verschlüsseln, alles andere behandelt man in dem Wissen, dass JEDER mitlesen kann (will man das?).
    Man nennt das “gesundes Misstrauen”. Ich gebe auch nicht JEDEM meine privaten Daten (Telefonnr., Adresse), kann mich aber nicht dagegen wehren, dass diese im Telefonbuch stehen (denn wenn nicht dort, wie soll man mich dann finden?). Also muss man abwägen, was man veröffentlicht, was nicht.
    Wenn ich lesen, dass man u.U. keine bestimmte Versicherungen mehr erhält, dann kann ich nur lachen: Da haben wohl einige Leute etwas nicht verstanden. Unser Wirtschaftssystem beruht auf Informationsvorsprüngen (ich habe mehr Informationen über eine Sache, einen Menschen, eine Ware, als mein Kontrapart). Das bewerte ich (man nennt das auch “Einpreisen”). Weiss ich also, dass jemand eine gefährliche Sportart betreibt, würde ich ihm eine Unfallversicherung nur gegen einen ordentlichen Aufschlag verkaufen wollen – aber ich würde ihm doch nicht NICHTS verkaufen! Manager, die so etwas tun (z.B. Leuten ab einem gewissen Alter keine Kredite geben), gehören entlassen: Sie verstehen ihr eigenes Geschäft nicht! Grundsätzlich verkaufe ich jedem alles – der Preis muss stimmen. Natürlich ist irgendwo und irgendwann Schluss, aber doch nicht auf einem so niedrigen Level: Ich habe doch die Informationen, um mich abzusichern!
    Warum muss man eigentlich jedes Foto, das man situatiosbedingt so macht, ins Netz stellen? Warum muss man jeden Unsinn posten? – So der erste Blogger (H. Prothmann) hier, der offensichtlich den gestrigen ZDF-Beitrag nebenher mit Bemerkungen gebloggt hat. Wen interessiert denn so etwas?
    Ich habe zwar meinen PC während der Sendung eingeschaltet gehabt, war aber nicht aktiv im Internet. Und nachträglich solche Bemerkungen lesen – das habe ich erst nach dem hier veröffentlichten Link mal getan: Was haben mir die dortigen Bemerkungen gebracht? Nichts! Ob die Maus sich nun auszieht oder nicht – wie muss man denken, um so etwas zu posten? Das erinnert an Sprüche auf den (Herren-)Toiletten.
    Mir fehlen in solchen TV-Beiträgen Beispiele wie es der Spiegel mal vor kurzem versucht hat: Beispielhaft ein Bewegungsprofil aufzubauen, die Rückschlüsse, die man aus den zusammengetragenen Informationen ziehen kann, aufzeigen, usw.. Der Anfang war doch gemacht: Man hatte doch einen Kunden, dann bekam man aber wohl Angst (“das sind wohl Ihre Eltern”). Ab hier hätte man doch mit Fake-Daten weiterarbeiten können – aber das wäre ja intelligent gewesen und hätte Zeit und Geld gekostet. Korrekt war der Hinweis auf “verseuchte” Apps. Aber wo war der Hinweis darauf, wie man sich davor schützen kann und wie sicher solch ein Schutz ist (Schlagworte: Firewall, kein absoluter Schutz möglich). Als Glosse habe ich die Bemerkung des Standesbeamten genommen (“Internet als rechtsfreier Raum”). Selten so gelacht, um anschließend zu denken: Ja, so sind sie halt, die deutschen Beamten und Juristen.

    Comment by friddes — 16/6/2011 #

  14. [...] kennt. Aber als Visualisierung von Datenspuren im Fernsehen fand ich das kreativ gelöst. Thomas schreibt in seinem Blog über das [...]

    Pingback by ZDFzoom: Hilfe, ich bin nackt » netzpolitik.org — 16/6/2011 #

  15. Ich halte mich für recht aufgeklärt was Datenschutz, Apps und AGB angeht, aber manche Aspekte waren mir neu, z.B. wieviel die Apps auslesen dürfen (auch unter iOS!?) oder dass Versicherungen sich natürlich auch der frei zugänglichen Informationen bedienen dürfen.

    Natürlich ist es zunächst erschreckend, wenn man sieht, wie viele Informationen sich recht leicht und komfortabel von zu Hause aus finden lassen. Aber wenn es das Internet nicht gäbe, könnte man sicher einen großen Teil der Informationen ebenfalls herausfinden. Man müsste dann vielleicht in die Heimatstadt fahren und dort im Telefonbuch nach den Eltern suchen. In Krimis wurden Leute früher „observiert“ und die Ermittler hatten dann auch so ein „Bewegungsprofil“.

    Ich frage mich nach Berichten wie diesem, wer die Schuld an der Verfügbarkeit der Daten haben soll. Die Schuld auf die die Nutzer und deren Freunde abzuwälzen greift zu kurz finde ich. Auch ohne Internet müsste man sich schon vollkommen isolieren, von Geburt an keinen Kontakt zu irgendjemandem haben und natürlich das Haus nicht verlassen, damit niemand nachverfolgen kann, was ich gerne mag oder wo ich mich häufig aufhalte.

    Ich denke, es ist noch viel Aufklärungsarbeit nötig. Als Google Streetview in Deutschland gestartet hat, war scheinbar vielen, zumindest den am lautesten Schreienden, gar nicht klar, dass auch vor Google schon Leute Wohnviertel nach Einkommen kategorisiert hatten oder bereits mit Kamerawagen durch die Straßen gefahren sind. Die größte Stärke des Internet ist gleichzeitig ihre größte Schwäche: dass sich Informationen viel, viel leichter finden lassen.

    Comment by Lennard Timm — 16/6/2011 #

  16. Erstmal Kompliment für den Mut, bei dem TV-Experiment mitzumachen. Dass Dich verwundert hatte, dass man Deine Adresse leicht herausfinden kann, wunderte mich. Überhaupt finde ich nicht, dass “schlimme” oder “peinliche” Dinge gefunden wurden. Meiner Meinung nach wird sich die Gesellschaft an diese neue “Öffentlichkeit” anpassen müssen. Ausländer, v.a. aus USA wundern sich ja immer, wie selbstverständlich wir nackt neben fremden in der Sauna sitzen und wie peinlich wir das Geheimnis unseres Monatseinkommens bewahren. In anderen Ländern ist das eher anders herum.

    Wir müssen alle lernen, mit unseren Daten (Text, Bilder, Geodaten) etc. verantwortlich umzugehen. Im Moment geben viele wohl immer ein wenig mehr Preis als vielleicht notwendig, ob das dann gefährlich ist, wird sich zeigen. Das einzige, was mir der Beitrag gezeigt hat, wie weit wirklich Apps ein Smartphone auslesen können. Hier liegt noch vieles im Argen. Der Nutzer muss technisch und praktisch in der Lage sein, Herr über seine privaten Daten zu bleiben! Auch bei FB-Apps sehe ich ähnliche Gefahren. Fast niemand ist sich bewusst, was er beim autorisieren einer Facebook-App eigentlich tut und wer dann plötzlich welche Daten aus dem eigenen Stammdaten zu lesen bekommt.

    Comment by Franz — 16/6/2011 #

  17. [...] Den Beitrag des ZDFs gibt es in der Mediathek, Thomas’ Kommentar dazu hier! [...]

    Pingback by Hilfe, ich bin nackt | MUSCHISUPPE — 16/6/2011 #

  18. [...] als Bauernfänger sehen möchte) Thomas Praus a.k.a. @stylewalker zu Wort gemeldet. In seinem Blog schreibt er: Leider weiß ich nicht was der Beitrag uns sagen will. Dass wir alle Angst haben sollen vor den [...]

    Pingback by teezeh 2.0 – ZDFUD — 16/6/2011 #

  19. @franz Danke für das Kompliment, ich hoffe nur, dass ich nicht allzu doof rüber komme. Ich weiß schon, dass die Postadresse über denic und whois zu finden ist, ich hatte nur alle auf die Geschäftsadresse umgestellt. Die Verwunderung kam daher, dass sie dennoch die Privatadresse hatten. Kommt natürlich nicht so rüber. Ach, und meine verpixelten Eltern sind lediglich deren Namen, keine Fotos und mit einem seltenen Nachnamen wie Praus ist das nicht schwer rauszufinden.

    Comment by Thomas — 16/6/2011 #

  20. [...] “Stylewalker”, der in der Sendung als Nutzer dargestellt wurde in seinem Blog gemeldet und seine Sicht der Dinge dargelegt. Interessant. Liebes ZDF, bis zum Grund ist es noch ein weiter Weg. Die ZDF Sendung "Zoom" [...]

    Pingback by Hilfe das ZDF ist nackt – vom bösen Internet und seinen Datenkraken | Fakeblog — 16/6/2011 #

  21. Hallo Herr Praus,

    ich gehe auch davon aus, dass Sie wissen, was Sie tun. Im Film werden Sie aber mindestens sehr einfältig dargestellt.

    Ebenso ist es unglücklich, dass der Film Sie so darstellt, als seien Sie zufällig ausgewählt.

    Tatsächlich sind Sie aber früher schon Auftragnehmer des ZDF gewesen und durch Honorarzahlung auch in diesem Fall.

    Mächtig interessant finde ich den Aspekt “Scheckbuchjournalismus” – ich bin seit 20 Jahren im Job und habe noch nie jemandem Geld für Aussagen gegeben und noch nie Geld genommen, wenn ich selbst interviewt wurde.

    Deshalb muss man annehmen, dass auch die “Fachleute” sowie die andere “Testperson” bezahlt worden sind – bezahlte Aussagen sind anders zu bewerten als unbezahlte Aussagen.

    Für einen freien und unabhängigen Journalismus sind solche Praktiken eine Katastrophe, weil der Film, anders als von Chefredakteur Peter Frey großmundig verkündet keine Reportage ist, sondern eine Inszenierung.

    Gruß
    Hardy Prothmann

    Comment by Hardy Prothmann — 16/6/2011 #

  22. Also ich freue mich ja stets, wenn Themen über das Web 2.0 kommen. Leider hat das öffentlich-rechtliche es hier wirklich an Tiefgang vermissen lassen.
    Weder eine Aufklärung über die “Deaktivierungsfunktionen” die ausreichend vorhanden sind (Wer-sieht-was-über-wen), als auch über die rechtlichen Bestimmungen (Betreiber einer Website unterliegen der Impressumsplicht..und siehe da..eine Adresse. hui hui hui).
    Das Format der Sendung hätte mehr bieten können und sollen, insbesondere bei den Leuten, welche sich im Umgang im Netz nicht auskennen.

    Im Hinblick auf den “Gläsernen Bürger” (oder einer Volkszählung aus den 80er Jahren), wo das Volk geradezu ausgeflippt ist, haben wir hier eine wahre Informationsflut. Ja!…und weiter?
    Informationelle Selbstbestimmung, was wir wo bekanntgeben unterliegt uns.

    Bei manchen Sachen habe allerdings auch ich Bauchschmerzen. So oft und gerne ich Google nutze, umso öfters stelle ich fest das ich nicht um eine Registrierung herumkomme. Dies ist zwar jetzt (mit Fake-Acc) geschehen (und ja, ich liebe die Vorteile^^)..aber wenn man sich die Anteilseigner von Google anschaut, dann wird einem schnell Gewahr, (..jaja..der Satz hört nie auf…sry) dass dort auch Regierungsbehörden involviert sind. Und wie die bekanntlich mit Datenspeicherung/-nutzung umgehen ist noch eine ganz andere Dimension als die in Deutschland. Hier darf man ja nur max. drei verschiedene personenbezogene Daten speichern. Rechtsfreier Raum hin oder her.
    Also Thomas…die Reaktion war richtig “wie cool” (und gleich nen Bild schiessen und uploaden).

    So long

    Comment by Tim — 16/6/2011 #

  23. Also das Einzige was mir der Beitrag gebracht hat, ist meine Einschätzung, dass Rechtspfleger oder Standesbeamte glauben, das Internet sei ein rechtsfreier Raum (“das weiß doch jeder!”). Ich werde dem nächsten Richter oder Staatsanwalt dies mal mitteilen. Mal gucken was der dazu sagt….

    Comment by RA Müller — 16/6/2011 #

  24. [...] ein Beispiel zum Vorführen der Missbrauchsmöglichkeiten, wofür sich Thomas Praus aka Blogger Stylewalker mehr oder weniger bewusst zur Verfügung stellte. Warum es bei ihm nicht gut ankam, obwohl ihm der [...]

    Pingback by ZDFzoom-Doku "Hilfe, ich bin nackt!" enttäuscht gewaltig | Salamandr — 16/6/2011 #

  25. Hmm, ist schwer einzuschätzen. Wenn der Psychologe sagt, man sei nackter als man glaubt, kann ich dem nicht ganz folgen.
    Denn meine Eltern kann jeder auf alte Reporter-Art kontaktieren. Und mich seelisch so öffnen wie beim Psych-Doc mache ich im Netz nicht.

    Aber, wenn man bei BlogXY mal einfach auf “nächster Blog” klickt dann findet man viele Leute die ständig über ihre Kids bloggen (besonders aus den USA). Ob die heute fünf-jährigen damit auf Dauer glücklich werden?
    Außerdem gibt es viele Leute, die z.B. im Bus so laut reden, dass es nicht mehr privat ist.

    Die “Datenwand” am Anfang war ja sehr unstrukturiert. Das Netz ist dank hyperlinks kein zwei-dimensionales Medium. Diese Verkettung, das Vergnüpfen von Daten wäre wirklich interessant gewesen.

    was ein Problem wird ist das automatische posten von Infos durch Geräte. das Beispiel waren ja Bilder im Netz, mit Standortdaten. Diese ganzen Metainfos sind ja kaum zu überblicken. Damit ist Profilbildung möglich, die für bestimmte Institutionen (mit mehr Macht und Möglichkeiten) mehr Wert hat als für private Leute.

    Die Sendung ist leider etwas unstrukturiert. Leider wird nicht gezeigt wie man diese Daten gegen einen Normalo nutzen kann.
    Ansonsten zeigt die Sendung doch Computersabotage, oder fällt social Eng. nicht darunter?

    Comment by horst — 16/6/2011 #

  26. [...] “Ich bin’s, der Nutzer” und “Wenn das ZDF über euch berichtet, dann wird Angst geschürt“ Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Datenschutz, Medien, Verbraucherschutz, Verwaltung und getagged Aigner, Datenlecks, Datenschutz, Facebook, Fail, Inkompetenz, Sony, Verwaltung, ZDF. Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL. « Lange nichts passiert hier… [...]

    Pingback by Datenschutz-SuperGAUs, Facebook und die Ignoranz — 16/6/2011 #

  27. Solange ich verpflichtet bin, meine Homepages mit Impressum zu versehen, habe ich keine Angst, dass jemand über Google meine Adresse herausfindet. Die muss ich sowieso ins Netz setzen.

    Comment by SenorKaffee — 16/6/2011 #

  28. Privatsphäre, was war das doch gleich ?…

    TV Tipp von Markus : Gestern lief auf irgendeinem der vielen ZDF-Kanäle eine Dokumentation namens “ZDFzoom – Hilfe, ich bin nackt”. Die Dokumentation beschäftigte sich mit Privatsphäre und Datenschutz in Zeiten von sozialen Medien und nahm dabei eher e…

    Trackback by Aponaut — 17/6/2011 #

  29. Hey Thomas,
    ich musste die Sendung leider nach 10 Minuten abbrechen, weil ich an der Art der Aufmachung schon wusste wo es hinläuft. Panikmache und Erklärerrei für 50+.

    Deine Meinung hier kann ich voll Teilen, ich mach das genauo: ich schreibe verdammt viel über mich im Internet, aber niemand könnte einfach so herausfinden, z.B. ob ich eine Freundin hab. ganz einfach, weil ich ein bisschen darauf achte was wann wo und wie ich poste. mehr nicht.

    Gruß
    Johannes

    Comment by Johannes Henseler — 18/6/2011 #

  30. Naja, also wie Johannes das meint es wäre eine typische ZDF-Sendung für 50+ stimmt so nicht.
    Ich bin 60+ und habe im Gegensatz zu meinen Landsleuten in dieser Altersgruppe alles haarklein verstanden.
    Johannes hätte gut getan die ganze Sendung zu sehen.
    Logischerweise ist jeder selbst verantwortlich was er ins Netz stellt und vor allem “wie”!
    Hier wurde einzig Facebook untersucht, teils falsche Schlüsse gezogen.
    Bei genauer Betrachtung sind es aber die Fremd-Apps in Verbindung mit den “can-do-alles-Handies”.
    Wer da nicht zusammenzuckt ist schon ein hartgesottener online-junkie!
    Ich versuche “vorsichtig” auf Facebook zu agieren wobei es mir wichtig ist dass ich über Kontinente hinweg Kontakt habe zu Verwandtschaft, Freunden die ich persönlich kenne und ex-Kollegen, aber nicht zu hunderten total fremder Personen und deren Anhang in Friends of Friends.
    Das Deutschland technisch rückständig ist sieht man an der Facebook-Penetration:
    http://www.internetworldstats.com/facebook.htm
    Nur ganze 22% im Gegensatz zu Ländern wie UK (48.3%), Schweden (46.5%), Dänemark (48.5%), Finnland (36.7%) selbst Österreich (30.6%). Das liegt wohl an der “German Angst”!
    Mach weiter so Thomas!

    Comment by Fritz B. — 18/6/2011 #

  31. Mich langweilt diese ganze Diskussion über das böse Netz, das angeblich meine Daten aufsaugt und sammelt und irgendwann gegen mich verwendet. Ich kann doch im Netz besser kontrollieren, wer was über mich erfährt als im “echten Leben”.

    Spam per Email bekomme ich praktisch gar nicht, dafür aber per Papier-Post. Ständig schickt mir ein Möbelgeschäft an mich persönlich adressierte Werbung, obwohl ich da noch nie eingekauft habe. Die haben meine Adresse von der Deutschen Post abgekauft (vermutlich habe ich da mal bei einem Nachsendeauftrag etwas im Kleingedruckten übersehen und kann das nun nie wieder widerrufen, mitd er Folge, dass die Post meine Adresse munter weiterverkauft).

    Über jeden, der im Telefonbuch steht, kann ich (auch ohne Google Street View) mehr herausfinden (z.B. in was für einer Gegend lebt der? Kommt er vom Dorf oder aus der Stadt? Ist er eher arm oder reich? Ist er verheiratet? Wohnt der Rest der Familie im gleichen Ort?) als über jemanden, der ein auf privat gestelltes Facebook-Profil hat.

    Comment by Katrin — 18/6/2011 #

  32. [...] StreetView, der Klassiker (erster Text von mspro zum Thema) – Der Privacy und Datenschutz-Diskurs – Thomas Praus und das ZDF – Das [...]

    Pingback by WMR25, DAWOZSO17, WMR26 – Showdowns! » Wir. Müssen Reden — 20/6/2011 #

  33. [...] Vor ein paar Tagen gab es im ZDF die Reportage “Hilfe, ich bin nackt” (kann online angesehen werden). Hier wurde von einer jungen Reporterin gezeigt, wie nackt wir im Internet sind. Welche Informationen wir bewusst und unbewusst im Netz preisgeben und mit anderen teilen. Mittlerweile befindet sich der größte Teil der Menschen zwischen 16 und 30 im Netz. Jeder hinterlässt Spuren, sei es über Twitter, Facebook, den eigenen Blog, Foren, Flickr und wie die anderen Dienste nicht alle noch heißen. Um es allen Zuschauern deutlich zu machen, wurde eine Person nach genau diesen Aspekten “untersucht”. Der Blogger Thomas schrieb über diese “Erfahrung” einen eigenen Artikel. [...]

    Pingback by HerrKronens Blog » Blog Archive » Nackt im Netz — 24/6/2011 #

  34. [...] hat eine, wie ich finde schöne Reportage über unsere Spuren im Netz gedreht. Als Testperson wurde Thomas auserkoren, dessen Spuren im Netz einmal genauer untersucht wurden. Geburtsdatum, Familie, Arbeit [...]

    Pingback by Sind wir alle nackt im Netz ? | patinator.net — 28/6/2011 #

  35. [...] eine, wie ich finde schöne Reportage über unsere Spuren im Netz gedreht. Als Testperson wurde Thomas auserkoren, dessen Spuren im Netz einmal genauer untersucht wurden. Geburtsdatum, Familie, Arbeit [...]

    Pingback by Sind wir alle nackt im Netz? » Patinator — 21/7/2011 #

  36. Hi,

    hab gerade den Beitrag über dieses Experiment auf ZDFinfo gesehen.
    Im großen und ganzen hätte ich mich genau so verhalten, wie Du!

    Was mir an dem Beitrag gefehlt hat:
    Jeder kann die Daten, die er so freigibt so beeinflussen, dass ein Beobachter ein bestimmtes Bild von ihm gewinnen wird. Ein potentieller Arbeitgeber, der die Profile durchforstet kann leicht getäuscht werden. Insofern hat alles seine Vor- und Nachteile. Meines Erachtens ist das größte Problem, dass die Nutzer noch viel zu wenig Gebrauch davon machen (mich eingeschlossen – aber bin eher sehr defensiv bei Social Networks unterwegs).

    Comment by Johannes — 23/7/2011 #

Leave a comment

XHTML: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Powered by WordPress with design by Borja Fernandez.
Entries and comments feeds. Valid XHTML and CSS. ^Top^
Creative Commons License
This work is licensed under a Creative Commons Attribution-Noncommercial-No Derivative Works 2.0 Germany License.