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Entweder Broder – eine schmerzhaft witzige Deutschland Doku | Stylewalker

Entweder Broder – eine schmerzhaft witzige Deutschland Doku

Er ist ein fieser Zyniker, aber leider sehr komisch. Wenn Henryk M. Broder, polnischer Jude, zusammen mit Hamed Abdel-Samad, deutsch-ägyptischer Ex-Islamist mit einem bunten Auto durch Deutschland fährt, legen die beiden die Absurditäten unseres gut organisierten Landes frei. “Entweder Broder – die Deutschlandsafari” ist eine Reihe von Vor-Ort-Interviews, unterbrochen durch Reflektionen der beiden im Auto, hinter Wunderbaum und auf Leoparden-Sitzbezügen, die an den Stellen genauer hinschauen, an denen Menschen denken, sie hätten das Gute und Richtige verstanden.

Es gibt zwei Staffeln, das Video unten ist die allererste Folge. Ich habe noch nicht alle Folgen der ersten Staffel gesehen, aber die zweite scheint mir etwas feinsinniger zu sein, in der ersten zieht Broder noch als Stele verkleidet los, um sich unter die Geburtstagsfeier des Holocaust-Mahnmals zu mischen. Aber es ist eben auch sehr komisch.

Die Interviews sind gut, die beiden schaffen es, die Menschen frei zum sprechen zu bringen und dabei die kleinen und großen Merkwürdigkeiten von Nazis, Verschwörungstheoretikern, Weltrettern und Armutsbekämpfern zu Tage zu bringen. In er zweiten Staffel treffen wir einen Berufsdemonstranten, besuchen UFO- und Klimakongresse, Claudia Roth beim Shoppen, einen Hartz4-Anwalt, der Geld vom Staat bekommt, egal ob er verliert oder gewinnt, einen Zauberer, der sehr strenge Auflagen für sein Kaninchen bekommt und schauen einer gymnasialen Klima-AG zu. Wenn die Kinder dann freudestrahlend erklären, dass sie unangemeldete Besuche in den Klassen machen und aufschreiben wer nicht richtig lüftet, wird einem doch etwas mulmig zumute. Mulmig wird es auch schon in der erstem Folge, bei diesem, im Video zu sehenden Cafe-Betreiber, der sehr eigen zwischen dem Muslim-sein für Männer und der Ansprüche an Frauen unterscheidet: “bei der Frau geht dann eben die Ehe, Charakter, äh, wie heißt das, äh, der Ruf kaputt”. Kein Sex vor der Ehe für die Frauen, aber Sex für die Männer, ja wie soll das denn rein logisch überhaupt gehen?

Das ganze geschieht jedoch eigentlich nicht ohne Herz und Menschenliebe, die vorgestellten Personen kommen fast allesamt ganz gut weg, eine Abreibung bekommen dabei die dahinter steckenden Menschenbilder und Weltanschauungen, sowie die Bürokratie, das System, das sich dadurch am Laufen hält. Heimlicher Held der vier aktuellen Folgen, die es zur Zeit in der Mediathek zu sehen gibt, ist Gunther Gabriel, Schlagersänger und Aufstehmännchen, der erzählt, was er alles gemacht hat um über die Runden zu kommen, ohne den Glauben an sich zu verlieren. Diesen Self-Made-Man findet Broder natürlich klasse: “Das ist wie eine Therapiestunde, man geht rein und kommt gut gelaunt wieder raus”. Tatsächlich finde auch ich Gabriels hemdsärmeligen Unternehmungsgeist durchaus inspirierend.

Man kann von Broder halten was man will, er provoziert gerne, ist öffentlichen Personen gegenüber rücksichtslos, kommt nie ohne Nazi-Vergleich aus, ist radikal liberal bis hin zur Toleranz der Intoleranz bzw. umgekehrt, leugnet den Klimawandel leidenschaftlich und hat äußerst selten konstruktive Vorschläge für die Gesellschaft, die er permanent seziert und kritisiert. Aber mit diesen spöttische Autopsien bringt er zumindest mich an einen Punkt, an dem ich erst zusammen zucke, mich dann aber doch dafür entscheide zu lachen. Und zu lachen, und vor allem über sich zu lachen, macht die Welt sicher auch nicht schlechter. Und Broder schließlich doch noch zum Weltverbesserer.

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