Ich bin’s, der Nutzer

Das ZDF hat eine Doku gemacht, in der ich “der Nutzer” bin. “Wir machen uns nackt im Internet” ist die These der Sendung in der Reihe “Zoom”. Ein Team hat sich eine Woche mit mir im Internet beschäftigt und ist mir heimlich durch Berlin gefolgt, hat dann eine Menge Zeug ausgedruckt, alles an die Wand gehängt und dann vom “Medienexperten” Hendrik Speck analysieren lassen. Was lernen wir daraus? Nicht viel.

Leider weiß ich nicht was der Beitrag uns sagen will. Dass wir alle Angst haben sollen vor den bösen Datensammlern, dem Staat und Stalkern? Dass alle Druck verspüren sollen, mitzumachen im Social Web, weil das erwartet wird, obwohl es doch gleichzeitig so gefährlich ist? Dass Facebook, Google und der Staat morgen in meinem Schlafzimmer stehen? Ehrlich, die Einzigen, die mich je gestalkt haben, sind das ZDF.

Was nicht klar wird, ist meine Haltung: Wir haben die Wahl und natürlich muss man damit umgehen können. Ich bin mir sehr bewusst, was ich wo poste und welche Information ich mit wem teile. Facebook zum Beispiel erlaubt einem sehr granulare Einstellungen, wer was von einem sehen darf. Zwar habe ich mein Profil der Redakteurin Sabrina Hermsen frei gegeben, Hendrik Speck aber nicht. Dass Sabrina meine Daten mit ihm teilt, ist vielleicht Teil des Experiments, aber keinesfalls von mir erlaubt worden. Und da trifft wieder der Spruch: Die größte Bedrohung für deine Privatsphäre sind deine Freunde. Waren sie aber schon immer.

Wenn ich bei Foursquare sage, wo ich bin, hoffe ich auf Begegnungen mit denen, die mir dort folgen. Wenn ich auf Twitter mit jemandem diskutiere, hoffe ich, dass alle, die dort zuhören, etwas von der Unterhaltung haben. Wenn ich erfahre, dass ein Freund auch gerade in Kolumbien ist und ich den dann nach Jahren treffen kann: Finde ich das fantastisch. Diese ganze Öffentlichkeit um meine Aktivitäten im Netz haben mir schon so viel Ideen, Feedback, spontane Treffen, Verbindungen gebracht, dass es absolut ABSURD ist, Angst zu haben.

Schade um die Zeit im ZDF, die hätte man besser verwenden können, um den Zuschauern zu zeigen, was sie konkret tun können, als Gruselszenen mit Verfolgungen in der U-Bahn zu drehen. Schade auch, dass ich mitgemacht habe, das Gefühl hinterher war kein besonders Gutes. Nicht die Kontrolle darüber zu haben, wie man in der Öffentlichkeit dargestellt wird, fühlt sich scheiße an. Und darum sollte es doch gehen wenn einem Privatsphäre am Herzen liegt, oder nicht?

Der Beitrag ist inzwischen unter den meist gesehenen in der ZDF Mediathek und der Blogspost hier hat bisher mehrere tausend Leser. Ich bin froh, mit meinem Blog eine Plattform zu haben, auf der ich meine Perspektive auf die Geschichte darstellen kann. Ich bin auch schwer angetan von der Qualität der Kommentare. Und so hat diese Geschichte doch zumindest eines ausgelöst: Eine lebhafte Diskussion über die eigene Verantwortung für die eigene Privatsphäre und die seiner Freunde.

Die Tweets zur Sendung.
Beitrag von Caschy: “Angst wird geschürt”
Beitrag von Christian, der meinen Satz mit den Freunden zitiert.

(Disclaimer: Für meine Zeit bei den Dreharbeiten habe ich vom ZDF 500 EUR erhalten)