Ein paar Fragen an trupoli.com
June 11, 2007 on 11:02 am by Thomas | In Politics, Publicity / Marketing |
Trupoli kommt von “true politics” und startet demnächst als Politik-Community. Sowas finde ich im Prinzip spannend, vielleicht machen sie ja etwas anders, als alle anderen, die es bisher gibt. Dennoch bleiben viele Fragen offen, die ich hier an die Macherin und Macher zur Beantwortung stelle:
1. Leider weiß man nach der Lektüre der Seiten immer noch nicht genau wie Trupoli genau funktionieren soll. Verstehe ich es richtig, dass es sich vor allem um eine Community handelt, in der die User allen Content einstellen: Politikeraussagen, Bewertungen, usw? Wenn ja, welchen Mehrwert haben sie davon?
2. Was unterscheidet Trupoli von Seiten wie www.sie-schreiben-dir.de, www.abgeordnetenwatch.de oder sogar www.direktzurkanzlerin.de?
3. Wenn Trupoli Investoren hat, werden die auch irgendwann Rendite sehen wollen, also was ist euer Geschäftsmodell? Seht ihr gerade als politische Community nicht die Gefahr einer wirtschaftflichen Abhängigkeit? Stellt euch mal vor, eure User kommen auf den arg anti-kapitalistischen Film? Wer will denn da noch Werbung schalten?
Auf der anderen Seite werden sich nicht gerade diese politisch engagierten User von der Seite abwenden, wenn sie sich kommerzialisiert?
Da habt ihr doch sicher drüber nachgedacht, wie wollt ihr diese Dilemmata lösen?
4. Warum hat euer Blog keine Trackbackfunktion? Und warum erscheinen die Kommentare nicht? Wenn ihr sie moderiert, müsst ihr das den Usern sagen.
5. Warum seid ihr überzeugt, dass das von euch hier vorgestellte Team den Ansprüchen tatsächlich gewachsen ist? Welche Erfahrung habt ihr mit Internet und Politik und der entsprechenden Vermarktung? (www.socialweb-guide.de und www.socialweb-news.de/ von der Produktmanagerin Anian Leisner machen auf jeden Fall einen soliden Eindruck. Aber wo bleibt die Politik? Aber vielleicht braucht man ja als mündiger Bürger auch keine Erfahrung in dem Bereich?)
6. Hier wird beschrieben, dass das Buch “Die Netokraten” Auslöser für die Ideenfindung einer Politikcommunity war. Inwiefern? Geht es dort nicht um den Zustand des Kapitalismus und die so genannten “Netokraten”, die über das Internet an Macht gewinnen? Seid ihr also die Netokraten, oder wollt ihr dieser Entwicklung durch die Partizipation etwas entgegen setzen? Wie versteht ihr die Thesen dieses Buches?
Ein kleiner Tip: Auf den trupoli-Seiten verbergen sich eine Menge Rechtschreibfehler und auch die automatisch erstellten Mails sollten ihr euch nochmal anschauen. Wäre schön, von euch zu hören!
8 Comments »
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Hi Thomas,
Deine Kritik mit den Kommentaren im Blog von trupoli kann ich verstehen
Hatte dort auch gepostet und es ist nicht veröffentlicht worden.
Schwach finde ich allerdings den Vergleich mit http://www.sie-schreiben-dir.de zB, weil dort vor einem Jahr der letzte Abgeordnete zurück geschrieben hat.
Mein Eindruck ist, dass dort engagierte und kompetente Menschen dahinter stecken. Ich bin mir sicher, dass sie es schaffen werden, eine lebhafte Diskussion über Politiker und deren Entscheidungen in Gang zu setzen.
Ob der Betreiber nun eine AG oder eine Gbr ist, ist mir furchtbar egal. Who cares?
Aus Nächstenliebe hat noch nie jemand ein teures POrtal im Internet programmieren lassen, seien wir doch mal ehrlich.
Michael
Comment by Michael — 11/6/2007 #
Dass der Vergleich schwach ist, weil lange nichts passiert ist, sehe ich eher nicht. Es geht um das Prinzip der Funktion: Interaktion mit Politikern.
AG oder GbR, tja, ob das für die Idee egal ist, auch da bin ich leider nicht deiner Meinung. Aus Nächstenliebe muss man ja auch kein Portal machen, aber mich interessiert schon, wie sie mit dem Verhältnis umgehen werden. Viele andere Initiativen arbeiten tatsächlich auf Spendenbasis.
Denn die angesprochenen Probleme sind ja konkret:
Es leidet die Glaubwürdigkeit, wenn letztendlich monetäre Ziele die Strategie bestimmen (müssen, denn schließlich sollen die Gehälter etc. bezahlt werden und das ist ja auch richtig so).
Außerdem beeinflusst das die Motivation der User, vor allem der politisch engagierten, meine ich. Und wenn schon über Geschäftsmodelle geredet wurde, dann muss man die auch erfahren dürfen, wenn man an einem solchen Projekt (als Nutzer, Communitymitglied, Artikelschreiber, Bewerter, etc.) mitwirken soll. Aber vielleicht irre ich auch und alle anderen haben eine andere Meinung. Glaub ich aber nicht.
Ich möchte das hier auf keinen Fall als Mäkelei oder Kassandratum verstanden wissen! Ich finde das Anliegen, mehr Demokratie zu befördern unglaublich wichtig und ich kann wirklich seeeeehr lange darüber reden, wie das möglich sein könnte.
Es interessiert mich daher einfach sehr, wie die Macher die Probleme lösen wollen, denen sich alle derartigen Projekten gegenüber sehen.
Comment by Thomas — 11/6/2007 #
Hallo Thomas,
es freut uns, dass Dir Trupoli einen so langen Post wert ist. Danke für die Fragen, die wir natürlich gerne beantworten:
Trupoli tut zwei Dinge: Zum einen ist Trupoli eine Community für Politik und für alle, die sich mit politischen Themen beschäftigen. Zum anderen ist Trupoli eine Plattform, die es den Bürgern ermöglich sich andauernd - nicht nur alle vier Jahre - zu politischen Themen zu äußern. Diese Äußerungen - und das ist der Unterschied zu anderen Plattformen - werden auf Trupoli aggregiert und so dargestellt, dass sofort ablesbar ist, wer da wie drüber denkt. Die Community ist auch der wesentliche Unterschied zu den Wettbewerbern, denen fehlt (in weiten Teilen) die Interaktivität. Salopp gesagt, kann ich dort einen Brief schreiben und auf Antwort hoffen. Aber dass sich viele Menschen zusammentun, um gemeinsam Dinge anzustossen und zu verändern, ist dort nicht möglich.
Du hast völlig Recht, unser Geschäftsmodell sollte transparent sein. Deshalb sind wir auch eine AG, da sie die transparenteste aller Unternehmenformen ist. Die Gefahr einer Abhängigkeit sehen wir bestenfalls theoretisch, aber die besteht immer, egal wie wir finanziert sind. Wir haben Trupoli bewusst als Unternehmen und nicht als Verein oder ähnliches gestartet, weil es uns um größtmögliche politische Unabhängigkeit geht. Hier eine (etwas ketzerische) Gegenfrage: Besteht für eine spendenfinanzierte Plattform nicht viel größere Gefahr, durch große, mit Bedingungen verknüpfte Einzelspenden in Abhängigkeit zu geraten? Unser Geschäftsmodell (dazu mehr Infos, wenn wir online sind) trägt sich nur dann, wenn wir politisch wirklich unabhängig sind. Somit ist die AG nicht nur kein Widerspruch zur Unabhängigkeit, sondern ermöglicht sie erst. Klar ist: Wir werden und wollen nicht verhindern, dass alle politischen Meinungen auf Trupoli vertreten sind. Einzige Grenze ist die freiheitlich-demokratische Grundordnung, aber auf keinen Fall das Interesse einzelner Kunden oder Investoren.
Der Blog hat durchaus eine Trackbackfunktion. Allerdings ist diese freischaltungspflichtig.
Schöne Idee, dass man vielleicht gar keine politische Erfahrung braucht, als mündiger Bürger. Das kommt unserem Ansatz schon ziemlich nahe. Aber abgesehen davon hat das Team eine klare politische Kompetenz, wenn auch keine politologische. Sowohl das Managementteam als auch die Investoren sind seit Jahren in der Politik engagiert, bzw. als Politkberater beruflich damit beschäftigt.
Hinter Trupoli steckt der tiefe Glaube an das Selbstbestimmungrecht des Menschen: Deshalb wollen wir allen Menschen die Möglichkeit geben, sich politisch zu engagieren, ihre Meinung kundzutun und das in auf eine Art und Weise, die auch gehört wird.
Einfach mal anschauen, wenn Trupoli online geht. Dann wird klar wie und warum es funktioniert.
Comment by Anian Leistner, Trupoli — 11/6/2007 #
Anian, danke für die ausführliche Antwort. Deine Erläuterung der Abhängigkeit von Spenden ist durchaus gegeben und eine AG ist tatsächlich eine transparente Gesellschaftsform. Die Aggregation von Gruppen und Interessen macht auf jeden Fall Sinn, dazu fällt mir die BBC Kampagnenidee des “Action Network” ein: http://www.bbc.co.uk/dna/actionnetwork/ Dann bin ich gespannt, was ihr draus macht, viel Erfolg!
Comment by Thomas — 11/6/2007 #
Naja, die Antwort ist zwar ausführlich, vieles wird aber nicht beantwortet. Z.B. die Frage nach der genauen Funktionalität und dem Geschäftsmodell. Nagut, lassen wir Trupoli noch ein bisschen Zeit und sprechen dann nochmal. Aber die theoretische Ausführung der (in meinem Augen etwas kruden) Theorie der Netokraten, der über-das-Internet-supervernetzter
und natürlich auch super-informierter Bürger als Voraussetzung für Macht hätte mich doch interessiert. Macht und Transparenz gehen oft nicht zusammen, geheimes Wissen verschafft Vorteile und dass Machtnetzwerke wie Familien, Ethnien oder durch gesellschaftliche Strukturen (vgl. Schulsystem in Deutschland) konservierte Machtverhältnisse werden sich auch mit dem Internet nicht durchbrechen lassen.
Comment by Kirsten — 21/6/2007 #
Hallo Kirsten,
Die Theorie der Netokraten ist sicherlich etwas krude, ich finde sie auch extrem zugespitzt. Vieles ist übertrieben, aber die Grundidee, dass das Internet Menschen vernetzen kann und dadurch neben Wissen eben auch Macht entsteht, ist ja eine sehr schöne. Und eine sehr demokratische, denn daran kann dann jeder, der will, teilhaben.
Was die Durchbrechung von Machtstrukturen anbelangt, bin ich opimistisch. Das Internet hat das ja an vielen Stellen schon getan:
Beispiel E-Commerce: Wir sind nicht mehr auf einen Verkäufer und seine Infos zum Produkt angewiesen. Egal, ob ich eine Digitalkamera oder ein Haus kaufen will, im Netz kann ich checken, ob mir der Verkäufer die Wahrheit gesagt hat. Seine Macht durch Information ist dahin.
Beispiel Blogging: Zeitungen und andere Nachrichtenkanäle verlieren die Hoheit über Berichterstattung und Themenwahl. Damit durchbrechen Blogger eine ganz entscheidende, weil meinungsbestimmende Machtstuktur.
Also: Das Internet kann Machtstukturen wenn nicht völlig einreissen, dann doch durchbrechen. Mit Trupoli wollen wir das in der Politik versuchen. Ob’s klappt, hängt natürlich ganz stark davon ab, wieviele Menschen mitmachen. Je mehr, desto eher klappt es. Wie in der Offline-Demokratie auch.
Comment by Johannes Zumpe, trupoli — 15/7/2007 #
Für alle, die es interessiert - ich habe bei Trupoli auch so meine Zweifel:
Ein trojanisches Pferd im politischen Web 2.0?
Comment by Spiegelfechter — 23/8/2007 #
trupoli ist online und ihr könnt es ausprobieren und selber euer urteil über den service machen http://www.trupoli.com.
ich bin mir sicher, dass ihr schnell erkennen werdet, trupoli ist unabhängig und steht für mehr basis- und web-demokratie. viele grüße, olaf jacobi
Comment by Olaf Jacobi — 11/11/2007 #