Bob Geldof soll die Klappe halten

June 11, 2007 on 5:37 pm by Thomas | In Politics |

Nachdem ich jetzt aus mysteriösen Gründen sowohl bei diesem Spreeblick-Artikel als auch bei einem auf merkwürdige Art wieder verschwundenen Artikel auf dem NRW-SPD-Blog keinen Kommentar anbringen konnte, folgt das ganze nun an dieser Stelle, ist ja auch wichtig genug.

Die Hysterie um Entwicklungshilfe für Afrika geht mir zusehends auf den Sack, das muss ich leider so deutlich sagen. Ich weiß nicht, was z.B. Bob Geldof reitet außer der Sucht nach Aufmerksamkeit, wenn er sich ein ums andere Mal als Weltretter geriert. Das, was er heute als angeblicher Chefredakteur der Bild-Zeitung ablieferte, setzt der ganzen scheinheiligen Soße die Krone auf.

Empörung, Überraschung, Bestürzung, Mitleid - ein ganzes Emotionsfeuerwerk wird da zum armen, armen Afrika abgefeuert, dass einem übel wird. Diekmann reibt sich die Hände und sonnt sich im Lichte des vermeintlichen Gutmenschen, ohne auch nur einen vernünftigen Satz zu den Hintergründen der Situation Afrikas erwähnt zu haben. Dabei wäre das doch in einer Sonderausgabe so gut möglich gewesen!
Und die Hilfsorganisationen schreien Zeter und Mordio und wollen immer mehr Geld. Was auf der Hand liegt, denn sie dürfen es ja dann ausgeben.

Dabei sollten doch inzwischen wenigstens ein paar grundsätzliche Dinge zu Afrika klar geworden sein, wenn sogar ich es mitbekommen habe. Statt mehr Geld sollte man den Abbau von einseitigen Handelsbarrieren und Agrarsubventionen fordern, korrupte Regime in Afrika in die Pflicht nehmen und diejenigen entlarven, die vorgeben für “ganz Afrika” zu sprechen.

Ja, ich meine z.B. Südafrikas Präsident Mbeki, der nicht nur Simbabwes Diktator Mugabe kräftig unterstützt, sondern auch mit der südafrikanischen Wirtschaft ähnlich rücksichtslos die Rohstoffe der afrikanischen Staaten ausbeutet wie multinationale Rohstoffkonzerne.

Und ja, ich meine Konzerne wie Shell. Denen kommen nämlich kaputte System wie das von Nigeria oder der kleinen Ölinselns vor der westafrikanischen Küste prima entgegen. Förderung ohne Rücksicht auf Umweltschäden, Beschäftigung zu Spottlöhnen und keine Investition in die Infrastruktur. Und dann ballern sie uns hier ihre “Ich habe eine Vision”-Spots um die Ohren.
(vgl. Greenpeace Reportage)

Und ja, ich meine europäische Agrarunternehmen, die subventioniertes Gemüse so billig in Afrika verkaufen, dass es sich nicht lohnt, dort welches anzubauen. Und Fischereiflotten, die billige Lizenzen von korrupten Verwaltern kaufen und die Küsten Senegals leer fischen. Und noch einmal die naiven Gutmenschen, die denken mit ihren abgetragenen Klamotten in der Kleidersammlung die armen Afrikaner zu unterstützen, aber eigentlich dafür sorgen, dass dort keine Textilien mehr produziert werden. Und so weiter und so weiter..

Es ist absurd. Oxfam, Rotes Kreuz, Caritas, Bild, Geldof - alle fordern mehr Geld für Afrika. Denn die Realität ist ihnen viel zu komplex. Es wird Zeit, dass wir nicht auf selbsternannte Samariter, sondern auf Leute wie z.B. James Shikwati hören. Afrika muss sich endlich selber helfen dürfen. Und aufhören können, Projektionsfläche für Elend, Leid und im Umkehrschluss für Nächstenliebe zu sein.

8 Comments »

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  1. Ich denk, man sollte zwei Seiten sehen: einerseits muss man die Gründe für das Leid in Afrika bekämpfen. Und das sind, wie Du richtig sagst, in erster Linie “strukturelle Gründe”. Das ist aber ein langer Prozeß, und vorerst muß man den Menschen dort helfen, auch wenn das sehr viel Geld kostet. Bis diese strukturellen Gründe überwunden sind (was dank etwa der Agrar-Lobby noch lange dauern wird), kann man schlecht dem Leid einfach zuschauen und abwarten. Vorerst wird also noch Geld für Lebensmittel, Schulen etc. gebraucht.

    Und die TBC- und Aids-Medikamente müssen auch finanziert werden. Ich finde, Dein Beitrag weist in die richtige Richtung; zieht aber der polemischen (?) Überhöhung wegen die falschen Schlüsse.

    Comment by Jan — 11/6/2007 #

  2. Und welche falschen Schlüsse zieht er dann, deiner Meinung nach? Es geht doch gerade darum, die von dir “strukturell” (wieso eigentlich strukturell, wieso nicht habituös?) genannten Gründe zu beseitigen. Und mit dem ewigen und einzigen (ich habe nochmal z.B. auf deine-stimme-gegen-armut.de nachgesehen: kein Wort über die Hintegründe, einfach nur “ihr habts versprochen, gebt uns das Geld”) Ruf nach Cash zementiert man die Verhältnisse. Wir kaufen uns frei. Frei vom Druck des Marktes, den wir dann den europäischen Bauern zumuten müssten, frei von höheren Benzinpreisen durch steigende Förderkosten, frei vom schlechten Gewissen weil wir immer noch billigen Kaffee kaufen und so weiter.

    Comment by Thomas — 12/6/2007 #

  3. Achso und hier noch ein schönes Zitat aus einem Interview mit erwähntem James Shikwati:

    “Was würde geschehen, wenn die Entwicklungshilfezahlungen von einem Tag auf den anderen eingestellt würden?

    Es wäre so, als ob man einem Süchtigen die Drogen wegnähme. Zunächst gäbe es eine Krise, aber dann käme es zu einer Wiedergeburt. Die Afrikaner würden erkennen, dass sie die Lösungen ihrer Probleme vor der eigenen Haustür finden. Derzeit wird die hiesige Wirtschaft künstlich angeschoben, weil Hilfsgelder von außen zufließen. Wir bekommen ein Kraftwerk hier und eine Straße dort, eine Schule hier und ein Stadion dort. Meistens klappt das, wenn das Eigeninteresse der Geberländer groß ist; so führen neue Straßen oft zu Abbaustätten von Rohstoffen. Nimmt man die ausländischen Hilfsgelder weg, müssten die afrikanischen Regierungen sich fragen, was ihre eigentliche Rolle ist. Brauche ich wirklich ein staatliches Telekommunikationsunternehmen? Gibt es nicht Kenianer, die dieses oder jenes anbieten können? Könnten Kenianer nicht Straßen bauen und dafür Nutzungsgebühren verlangen? Die Regierungen müssten sich endlich um die „Software“ kümmern, um die afrikanische „Hardware“ ans Laufen zu bringen; sie müssten sich um sichere Eigentumsrechte und um freie Märkte kümmern. Ohne ausländische Hilfsgelder müssten die Regierungen sich um eine wirtschaftliche Entwicklung sorgen, die im Lande selbst entsteht.”

    Comment by Thomas — 12/6/2007 #

  4. Hey thomas - sehr angemessener beitrag - ich war auch kurz davor sowas aehnliches zu schreiben, denn ich hab mich auch echt krass ueber diese afrika heulnummer und bescheuerte darstellung geaergert!

    naja wollte konstruktiv noch beitragen was meiner meinung nach funktioniert: http://www.kiva.org damit gibt man ganz konkreten einzel personen die eine wirtschaftliche unternehmung starten oder ausbauen wollen ein darlehen dass man dann auch zu 99% wiederbekommt. minimaler verwaltungs wasserkopf und wirtschaftliche entwicklung

    die andere (nicht politische) komponente sollte meiner meinung nach bildung sein, und da sehe ich im netz ein gewisses potential (–> open educational resources) aber das kann noch nich alles gewesen sein…

    Comment by Max — 12/6/2007 #

  5. [...] * Weltweit 950 Milliarden Euro für Rüstung via Ö1 Inforadio ** G8-Ergebnisse von Afrika bis Weltwirtschaft via Netzeitung *** Bob Geldof soll die Klappe halten - gut gesprochen zum Thema von Thomas [...]

    Pingback by nachge(d)acht at Rappelsnut — 13/6/2007 #

  6. Wenn du nicht kommentieren kannst bei Spreeblick, schick mir bitte eine kurze Mail nach dem Versuch. Manchmal, z.B. bei mehreren Links im Kommentar, bleibt etwas im Spam hängen. Du hast ja schon vorher kommentiert, sollte also gehen.

    Comment by johnny — 14/6/2007 #

  7. Hey kein Problem, so hab ich wenigstens meinen eigenen Artikel geschrieben!

    Comment by Thomas — 14/6/2007 #

  8. Hi Thomas und andere, es tut gut, zu sehen, dass man mit seiner Meinung noch nicht ganz allein dasteht in diesem Land.

    Würde man hier in D einmal ernsthaft über – wohlgemerkt staatliche – Entwicklungshilfe diskutieren und dann nach Abwägung aller, wirklich ALLER Fakten zu der einen nur möglichen Entscheidung kommen, nämlich das Bürokratie-Moloch EZ-Ministerium komplett abzuschaffen, dann wäre endlich genug Geld frei für unsere eigenen sehr notwendigen und dringenden Suppenküchen (Armenspeisungen), Kinderhorte, Obdachlosen-Unterkünfte, Hilfe für hunderttausend Straßenkinder, krebskranke Kinder, Millionen bildungsseitig benachteiligte Kinder und Hartz-IV-Kinder, für unsere in oft bemitleidenswertem Zustand sich befindlichen Schulen und Hochschulen, für Millionen inzwischen unter dem Existenzminimum lebende alte Leute, usw. usw. usw.
    Zudem könnte dann endlich jeder Bürger für sich selbst entscheiden, was und wie viel er freiwillig an eine der unzähligen ja durchaus fähigen NR-Hilfsorganisationen und damit an grassroots-Initiativen in den bedürftigsten Teilen der Welt spenden kann und möchte.

    Doch weil die meisten Deutschen die Zusammenhänge nicht kapieren (dürfen), weil sie unmündig bleiben WOLLEN oder weil sie sich selbst oder zumindest sich gegenseitig nicht mögen und fernen ihnen völlig unbekannten vermeintlich notleidenden Indern (wenn sie nur wüssten, wie viel Gold selbst ärmere Inder kaufen oder was Indien für Rüstung ausgibt) mehr gönnen als ihren unmittelbaren deutschen Zaunnachbarn, darf ihre Heilige Deutsche Kuh „staatliche Entwicklungshilfe“ nicht sterben, wird das Milliarden-Kosten verursachende Unsinn-Ministerium mit seinen Tausenden von in der freien Wirtschaft lebensunfähigen Theoretikern und akademischen Linkshändern, Pöstchen-Politikern und Gutmensch-Funktionären auf Teufel komm raus erhalten und sogar ausgebaut, von den zusätzlichen Milliarden, die über den Bürokratie-Selbstbedienungs-Wahnsinns-Koloss Brüssel in bodenlose Löcher fließen, ganz zu schweigen.

    Ach, wie unendlich leicht gemacht wird es – dank Kanzlerin, roter Heidi u.a. – so für alle Bob Geldorfs, Herbert Gröhlemeyers usw., sich das Geld für ihre Hobby-Gutmensch-Aktionen von Steuerzahlern zu holen, statt zu sagen, ich spende jetzt mein fast ganzes Millionen-Vermögen den Armen in Afrika und lebe fortan von „nur noch“ 5000 Euro im Monat, macht es mir nach! Bei so viel Dreistigkeit muss man ja schon den Hut ziehen vor jemandem wie dem Karlheinz Böhm, der sich als Stammeskönig in Afrika feiern lässt, aber immerhin nicht mit dem Geld zwangsenteigneter Steuerzahler!

    Doch freiwillige grassroots-Hilfe zur Selbsthilfe-Aktionen sind überhaupt nicht erwünscht in diesem Land. Es wird MANIPULIERT, wo es nur geht, der Dumme ist immer der einfache, ehrliche Bürger. In der Tat, der Dumme.

    Comment by Walter Grondstein — 11/4/2008 #

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